Chronik Aufzeichnungen
bis 2015
Chronik Aufzeichnungen
2018-2019
   


Fasnacht in Arzl im Pitztal hat eine lange Tradition im Dorf
 

Die Fasnacht in Arzl (damals noch Arzl bei Imst) lässt sich bis an den Beginn des 20. Jahrhunderts zurückverfolgen.

Wie sich in früheren Jahrhunderten das dörfliche Leben in der Fasnachtszeit abspielte, lässt sich auch in Arzl nicht beurkunden.  Wie aus alten Berichten und Sagen zu entnehmen ist, haben vermutlich auch die alten Arzler wie in vielen anderen Orten, ihre Bräuche gelebt.

z.B.  Der "Kassonntag" und  das "Scheibenschlagen":
Für den ersten Fastensonntag, altbekannt unter dem Namen Sonntag Invocavit, war die Bezeichnung "Kassonntag" für Tirol bereis im Mittelalter üblich ......
.......dagegen ist eine andere uralte Gepflogenheit, das "Scheibenschlagen" jetzt völlig abgekommen. Die Burschen gingen zu diesem Behufe am "Kassonntag" nach dem Nachtessen  auf eine Berglehne, die "Zarge" hinaus und schürten dort ein großes Feuer an. Hierauf nahmen sie die hölzernen Scheiben, welche in der Mitte ein Loch hatten, machten dieselben im Feuer glühend und schleuderten sie mit einem geschicktem Schwung fort, dass sie funkensprühend über einen steilen Berghang ins Thal fuhren .
Mit diesem Scheibenschlagen wurde, wie man zu sagen pflegte, der Fasching ("Fasnicht") zu Grabe getragen.
Der Brauch des Scheibenschlagens findet sich noch heutzutage da oder dort im Oberinnthal, z.B. zu Perjen bei Landeck, zu Arzl ........
Quelle: Chr. Hauser, Bote für Tirol, 25.02.1890

Auch in Sagen wird vom sehr alten Brauch, dem Scheibenschlagen in Arzl berichtet.

Scheibenschlagen - Arzl:
Als am ersten Fastensonntag in Arzl in Oberinnthal Scheiben geschlagen wurden, sah man sieben Teufel, die tanzend und schreiend in den Wald sprangen. Es ist dies vor beiläufig 22 Jahren geschehen.
Quelle: Ignaz V. Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen, Innsbruck 1871

Aus Arz1 bei Imst hielt sich die Nachricht aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, das man beim Scheibenschlagen sieben Teufel tanzen , schreien und in den Wald springen sah.
......in vielen Orten erinnern nur mehr die Flurnamen an den Brauch, so in Grins, Zams Arzl bei Imst .....
Quelle: Tiroler Fasnacht, Innerhalb der Alpenländischen Winter- und Vorfrühlingsbräuche, Anton Dörrer, Wien 1949

Keine Maske nach dem Abendläuten ... Kinder wurden mit dem "Putz" geschreckt:
......Noch in der Jugendzeit meines Schwiegervaters Hofrat Ing. Alois Haupolter (1860-1921) und seines Bruders Reg. Rat. Prof. Michael Haupolter (1854-1935) wurden Kinder in ihrer Heimat Arzl bei Imst, wenn sie sich nach dem Abendläuten auf der Gasse herumtrieben, mit dem Putz geschreckt, der mit seinem Raben aus dem Rappen"(Raben)"loch, einer schwer zugänglichen Höhle an der Nordwand des Venetausläufers, herauskomme.
Quelle: A. Dörrer, Das Schemenlaufen in Tirol u. verwandte alpenländische Masken- und Fasnachtsbräuche Innsbruck 1938

Eine andere Sage berichtet, dass in Arzl am Osterstein schon zu frühere Zeit die Hexen getanzt haben sollen.

Der Osterstein bei Arzl:
Nördlich vom Dorfe Arzl im Oberinntal liegt der so genannte Osterstein (Ostarstoan). Es ist ein freistehender massiger Hügel, vorn felsig, rückwärts bewaldet, zu dessen Höhe ein Weg hinaufführt. Oben befindet sich ein kleiner ebener Platz, mit einer Steinterasse, welche der Hochosterstein heißt. Ringsum liegen mehrere abgeplattete Steinblöcke (Ganden) zerstreut.
Der Ort gilt für unheimlich, weil einst Hexen hier ihr Unwesen getrieben haben sollen.
Da sonst keine religiöse Zeremonie daselbst allenfalls zu Ostern stattfindet, von der der Hügel seinen interessanten Namen entlehnt haben könnte, so ist mit Sicherheit anzunehmen, dass wir in ihm eine alte Kultusstätte der deutschen Licht- und Frühlingsgöttin Ostara zu suchen haben.
Quelle: Ludwig von Hörmann, Der Osterstein bei Arzl, in: Archiv für Geschichte und Alterthumskunde Tirols, I. Jahrgang, Innsbruck 1864

Als Tanzplätze der Hexen wird auch Arzl erwähnt:
....4. Die Rindergasse in Arzl in Oberinnthal.
Quelle: Ignaz V. Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen, Innsbruck 1871

Auch dem "Arzler Hexenmuater au'wecke" kann man seinen Ursprung  einer alten Sage zuschreiben.

Das wilde Weiblein:
In einem Dorfe im Oberinnthal kam sieben Jahre lang ein wildes Weibchen zu einer Familie auf Besuch und setzte sich schweigend auf den Herd. Es that keinem ein Leid, doch Niemand getraute sich, zu ihm etwas zu sagen. Da ging der Bauer eines Tages auf einen Berg Holz hacken. Als er bei seiner Arbeit einmal aufschaute, sah er zu seinem größten Schrecken einen wilden Mann vor sich der zu ihm sprach: „Du, Holzhacker sag' zum Stitzl, zum Wizl, der Thorizl sei todt!" Abends , als der Bauer heimgekommen war, theilte er dem wilden Weibchen die Botschaft mit. Da begann es zu weinen und zu klagen und sprach: „Hättet ihr mich um mehr gefragt, hätte ich euch mehr gesagt!" Mit diesen Worten machte es sich auf und davon und ließ sich nie wieder sehen .

Quelle: Ignaz V. Zingerle, Sagen aus Tirol, Innsbruck 1891


Gratze-Fratze:
Auf dem nachmaligen Schlosserhof in Arzl diente vor langer Zeit eine Dirne.
Sie war bildschön: Von mittelgroßer Statur mit langen schwarzen Haaren, die sie selten zu Zöpfen flocht, und glutvollen dunklen Augen. Allerdings sprach sie eine Sprache, die niemand verstand und die Leute bezeichneten sie deshalb als "Wilde". Irgendwie begegneten die Dorfbewohner dieser Magd, die im letzten Haus vor dem großen dunklen Wald arbeitete, mit Abscheu. Man wollte mit ihr nichts zu schaffen haben. Dennoch erweckte sie in ihrer Andersartigkeit allseits Neugier und wurde immer wieder verstohlen beobachtet. Die Dirne aber war eine gutmütige Person, bestimmt tat sie niemandem etwas zu Leide. Sie werkte den ganzen Tag von früh bis spät, sprach kaum ein Wort, weil niemand sie verstand. Sie war äußerst bescheiden und begnügte sich als Lohn mit einer Kammer zum Schlafen, die sie nicht einmal mit jemandem teilen mußte, weil auch das Gesinde auf dem Hof sie mied. Außerdem erhielt sie je ein Gewand für Sommer und Winter sowie das Essen. Seit dieses Mädchen, von dem man nicht einmal den Namen wußte, da war, ruhte der Segen auf dem Hofe. So ging es jahraus, jahrein.  Eines Tages aber kam ein altes Waldweib aus dem mittleren Galtenwald und sagte zu der wilden Dirne: "Gratze, Fratze, d'Rauchrinte ischt toat!" Da fing die Magd an, bitterlich zu weinen und sprach: "Mei Muatter ischt gscbtoarbe." Dies waren die einzigen Worte, die man je von ihr in einer verständlichen Sprache gehört hatte. Am nächsten Tag aber war sie verschwunden und niemand bat sie jemals mehr gesehen.

Quelle: Alte Sage wiedererzählt von R. Neururer aus Arzl, Woadli 1994


Nach mündlichen bestätigten Überlieferungen wurden bereits in den Jahren 1909 bis 1912 "Wilde Fasnachten" durchgeführt. Dabei gingen in den Abendstunden Hexen, Karrner, und Bettler von Haus zu Haus. An bestimmten Plätzen wurden dabei Tänze aufgeführt. Auch in der Zeit davor (Ende des 19. Jahrhunderts)  soll es zur Fasnachtszeit bereits verschiedene Belustigungen gegeben haben.

1913 wurde ein Fasnachtstreiben mit 35 Beteiligten in Arzl abgehalten. Ein Hexen- und ein Karrnerwagen wurden gebaut, ebenfalls gab es eine "Labera". Wie sich alte Arzler, so auch Staggl Johann *1901, Schöpf Jakob *1892 (Jaggl), Wöber Johann (Lochers) und Trenker Johann (Janese) erinnerten, waren immer Maskenträger mit dabei, die an den Schultern und an einem auf dem Kopf getragenen Holzgestell "Singeslerglocken" befestigt hatten. Bei diesem Holzgestell handelte es sich um Nachahmungen eines Aufputzes, den Kühe beim Almabtrieb und bei Marktfahrten trugen.

Die typischen Arzler „Singeslerpaare“ entwickelten sich somit bereits aus früheren Fasnachtstreiben  heraus und sind deshalb einzigartige Figuren bei einem Fasnachtsumzug.
Die männliche Maske trägt die hell klingenden "Singeslerglocken" um den Bauch und Schulter sowie im Aufputz der Maske. Durch ihre "Singeslen" (gegossene Glocken mit besonders schönen Klang) unterscheiden sich diese gegenüber den "Schellen" (geschmiedete Glocken mit dumpfen Klang) von anderen Hauptfiguren bei Fasnachten. Auch beim  Aufputz,  in Form einer "Singeslerglocke" bemerkt man sofort den Unterschied.
Die männliche Maske wird durch eine anmutige, weibliche Vortänzerin, die ein Blumensträußchen mit sich trägt, begleitet. Das "Weible" ist wie eine Sennerin  im Dirndl  gekleidet, trägt ein frühlingshaft klingendes „Gröll“.
Die "Singeslerpaare"  symbolisieren analog zu den durch mehrere Fasnachten andernorts bekannten „Schell(n)er und Roll(n)er“ den ewigen Kampf des Winters gegen den Frühling, aber auch der Kargheit gegen die Fülle des Lebens.

 

Dann kamen die Jahre des 1. Weltkrieges und auch in der Zeit danach ging es den Dorfbewohnern zu schlecht um die Fasnachten groß zu feiern.

 

Eine weitere dokumentierte Fasnacht in der Zwischenkriegszeit wurde 1930 abgehalten. Die "Figatter-Reiter" waren damals bereits am Vormittag unterwegs um das Fasnachtstreiben zu verkünden.
Der alte Brauch der "Figatter-Reiter" aus der Gruppe der "Laberasänger" wurde bei der Arzler Fasnacht noch bis zum Jahre 1990 erhalten.


    

Die "Figatter-Reiter" waren am Vormittag unterwegs um das Fasnachtstreiben zu verkünden.
 

Auskehren: 1954, 1955, 1958

Im Jahre 1957 wurde Fasnacht erstmalig organisiert durchgeführt.

Fotos von Fasnachten in den 1950er und 1960er

   

   

       

     

       

    

   

 
 

Fast 20 Jahre (die letzten Fasnachten hatten 1957, 1959 und 1961 stattgefunden) sollen vergehen, bis wieder eine Fasnacht abgehalten wurde.

1981 nahm der Fasnachtsverein Arzl im Pitztal die Arbeit wieder auf.
Ab
1983 wird regelmäßig das "Arzler Singeslerlaufen" veranstaltet.
Auskehren:
1982, 1984, 1985, 1986


Auskehren 1982

   

 
   

   

   

   

   

     

 




Arzler Fasnacht zum ersten mal als  "Arzler Singeslerlaufen" 1983

Seit dem Jahr 1983, findet in Arzl das „Singeslerlaufen“ - die Arzler Fasnacht - in regelmäßigen Abständen (4-Jahres Rhythmus statt).
Leider sind viele der älteren Masken bei Bränden zur Jahrhundertwende vernichtet worden. So brauchte es natürlich lange, bis wieder ein größerer Bestand an Masken zur Verfügung stand, und noch heute werden viele Masken geschnitzt und neue Gewänder genäht. Was natürlich ohne den Einsatz der Frauen des Dorfes, die ja am Singeslerlauf nicht teilnehmen dürfen, nicht möglich gewesen wäre.

Fotos vom "Singeslerlaufen"

     

     

 

   

     

   

    

   

   

     

   



Arzler Fasnacht 1987

Fotos vom "Singeslerlaufen"

     

       

       

       

     

 

Arzler Fasnacht 1990

Fotos vom "Singeslerlaufen"

   

     

     

    

   

     


Arzler Fasnacht 1995

Fotos vom "Singeslerlaufen"

   

   

   

       

   

     

    

 

Arzler Fasnacht 1999

Fotos vom "Singeslerlaufen"

     

   

   

   

   

   

   

     

   

   

Noch mehr Fotos vom "Singeslerlaufen" 1999 zum durchblättern.


 

Arzler Fasnacht 2003

Fotos vom "Hexenmuater au´wecke" und "Singeslerlaufen"

   

   

     

     

     

     

     

   

 
 

Fotoimpressionen vom "Hexenmuater au´wecke" und "Singeslerlaufen" 2003 zum durchblättern.

 

Arzler Fasnacht 2007

Video vom "Hexenmuater au´wecke" und "Singeslerlaufen"

 

 

Fotoimpressionen vom "Hexenmuater au´wecke" und "Singeslerlaufen" 2007 zum durchblättern.

 

Arzler Fasnacht 2011

Video vom "Singeslerlaufen"

 

 

Fotoimpressionen von der Fasnacht 2011 zum durchblättern.

 

Arzler Fasnacht 2015

Video vom "Fasnachtsauftakt im Gemeindesaal"

 


Video von der Uraufführung des "Arzler Fasnachtsmarsches"

 


Video vom "Arzler Hexenlied"

 


Video vom "Singeslerlaufen - Aufzug"

 


Video vom "Singeslerlaufen - Teil 1"

 


Video vom "Singeslerlaufen Teil 2"

 


Video vom "Fasnachtsausklang Teil 2"

 


Video von der "Wilden Fasnacht"

 


 

        

Fotoimpressionen vom Fasnachtsablauf 2015 zum durchblättern


"Fasnachtstraditionen im Pitztal" zum durchblättern.

Fasnachtsverein Arzl im Pitztal - Obmann Paul Neururer · Dorfstraße 101 · A-6471 Arzl - Impressum·Datenschutz
obmann@arzler-singeslerlaufen.at
 
© 2018 - 2020 Hans Rimml - Arzl Osterstein